„Vergessene” Kinder und Eltern?


Nicht in der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Rostocker Volkssolidarität

 

Laut Schätzungen leiden in Deutschland rund drei Millionen Kinder unter der Alkoholsucht ihrer Eltern. Das bedeutet für diese Mädchen und Jungen erhebliche physische als auch psychische Belastungen. Es ist davon auszugehen, dass rund 3,5 Millionen Bundesbürger einer krankhaften Alkoholsucht erlegen sind. Während der kürzlich bundesweiten „Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien” wurde ein bundesweit flächendeckendes, regelfinanziertes Hilfesystem für die Betroffenen gefordert. Bund, Länder und Kommunen, so die Aufforderung, müssten mehr Verantwortung für die bislang „vergessenen Kinder” alkoholsüchtiger Eltern übernehmen. Wie der seit Anfang des Jahres neue Leiter der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Rostocker Volkssolidarität, Andreas Vichel, sagt, sollen diese „vergessenen Kinder”  ein künftiger Betreuungsschwerpunkt der Einrichtunbg sein. Dies, so der Sozialtherapeut mit zuvor vieljähriger Tätigkeit im Güstrower Krankenhaus und dadurch psychiatrischer Erfahrung sowie leitend in Suchtberatungsstellen, sei notwendig, weil Kinder suchtkranker Eltern größte Risikogruppe zur Entwicklung von Suchterkrankungen seien. Solche werden in der Beratungs- und Behandlungsstelle, die seit 1994 in Trägerschaft der Rostocker Volkssolidarität ist, bei missbräuchlichem Umgang mit Alkohol, illegalen Drogen, Medikamenten, Glücksspiel, Medien oder Nikotin umfänglich behandelt. Dies erfolgt sowohl in Einzel-, Paar- als auch Familiengesprächen.

Als besonders praktikabel empfiehlt Andreas Vichel die angebotenen ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen, da sie alltags-, familien- und berufsbegleitend sind sowie  durch Kassen- und Rentenversicherung sowie durch öffentliche Förderung getragen werden. In der Einrichtung, so deren Leiter, könne in Einzel- und Gruppensitzungen nach Terminabsprache alles zum Thema Sucht erfragt, erfahren und therapiert werden. Dabei, so betont Andreas Vichel, seien Abhängigkeitserkankungen jene chronischen Krankheiten mit den besten Heilungsergebnissen, wenn denn die vielen Hilfsmöglichkeiten konsequent in Anspruch genommen werden. Die Erfahrungen der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle, die bei stets voller Auslastung bis Ende 2017 rund 15 Jahre verdienstvoll von der Diplom-Sozialpädagogin und Suchttherapeutin Hannelore Natzius geleitet worden war, besagen, dass es in Selbsthilfegruppen bis zu 80 Prozent Heilungschancen gibt. Diese zu ergreifen empfiehlt sich vor dem Hintergrund auch dieser Tatsachen, dass es in Deutschland fast zwei Millionen Arzneimittelabhängige, jährlich etwa 120.000 Tote infolge Tabakkonsums gibt, die Zahl der Drogentoten seit Jahren steigend ist, deren Durchschnittsalter bei rund 38 Jahren liegt.

Ein neues Angebot der Beratungsstelle ist die wöchentlich stattfindende Frauen-Selbsthilfegruppe, die den Frauen einen besonders geschützten Rahmen für spezielle Themen bietet.

Die Beratungen erfolgen auf  freiwilliger Basis, kostenlos und absolut vertraulich.      

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Kontakt: Goethestraße 16 in 18055 Rostock

Telefon: 0381.492 34 41  · Mail: suchtberatung-hro@volkssolidaritaet,de

Außenstelle SBZ Dierkow: Kurt-Schumacher-Ring 160 in 18146 Rostock

Dienstags 9.00  bis 12.00 Uhr  · Telefon: 0381.666 52 71

Im Bild: Team der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle: Andreas Vichel, Cathleen Mehl, Sigrid Ulrich, Margret Eickelberg; Foto: -tf-