Den Umzug haben sie nicht bereut


Heidi und Jürgen Graf aus der Groß Kleiner VS-Ortsgruppe

 

„Den Umzug vor drei Jahren von Berlin nach Rostock haben wir nicht bereut. Wir sind hier heimisch geworden. Wir haben liebe Nachbarn und wurden in der Groß Kleiner Gruppe der Volkssolidarität sehr freundlich aufgenommen“, erzählt Heidi Graf und ihr Mann nickt zustimmend. Lächelnd ergänzt er, dass sie sich im Gerüstbauerring sehr wohl fühlen – fünfte Etage mit Fahrstuhl, ein schöner, grüner Hinterhof und Blick auf die Kita „kleines ganz groß“. Beide schätzen die Nähe zu Warnemünde und zum IGA-Park, in dem sie durch viele Spaziergänge inzwischen fast jeden Winkel kennen, meint Heidi fröhlich. Die IGA selbst haben sie 2003 nicht erlebt. Damals hatten sie noch einen eigenen Garten - ihre große Liebe und Leidenschaft. Ihn vermissen sie. Wenn sie eine passende Wohnung in Gartennähe gefunden hätten, wären sie sicher nicht aus Berlin weggezogen. In Gedanken und Gesprächen sind sie oft in Berlin – haben sie doch hier den Großteil ihres Lebens verbracht, das größte Glück und Unglück erlebt. Heidi wurde 1943 in Reichenbach bei Dresden geboren. 1981 zog sie mit Sohn Mirko nach Berlin. Sie hatte Herrenschneiderin gelernt, sich zur Bekleidungs-ingenieurin qualifiziert und sich bei „Treffmodelle Berlin“ beworben. Dort begann sie in der Lehrausbildung. Heidi stürzte sich in die Arbeit -  vermittelte jungen Leuten ihr Fachwissen und ihre Liebe zum Beruf. Die glückliche Zeit fand ein jähes Ende, als Mirko 1986 an einer nicht erkannten Blinddarmentzündung starb. Er war neunzehn. Heidi konnte nicht mehr arbeiten, nicht mehr mit jungen Leuten. Die Trauer lähmte sie lange Zeit. Ganz langsam erholte sie sich – an ihrer Seite Jürgen, den sie im Januar 1986, ein paar Monate vor dem Unglück, kennengelernt hatte. Sie wurden ein Paar – der gleichaltrige Jürgen, ein Urberliner, der damals bei der Post arbeitete und Heidi. Sie kehrte in ihren geliebten Beruf zurück und arbeitete bis zur Wende im Betrieb „Berliner Damenmode“. Arbeitslos geworden, machte sich Heidi 1990 mit einer Änderungsschneiderei selbständig. 70 Kunden hatte sie in kurzer Zeit gewonnen – unter ihnen Schauspieler Erwin Geschonneck. Als die Firma „Hensel und Mortensen“ ein Hausmannequin suchte, bewarb sie sich. Heidi lacht: „Ich hatte die Maße und bekam die Stelle.“ Als die Firma nach Bayern umsiedelte, versuchte sie ihr Glück bei „Umlauf und Klein“. Deren Hauptprodukt waren Pelzmäntel für Russland. Hier kontrollierte Heidi die Qualität und war dabei, als die Firma einen Standort in der Nähe von Moskau errichten wollte.

Jürgen Grafs berufliche Entwicklung war nicht weniger turbulent. Die Post delegierte ihn zu einem Zusatzstudium an die Schauspielschule “Ernst Busch“. Er sollte danach künstlerische Projekte im Betrieb organisieren. 1985 gründete er den „Männerchor der Deutschen Post“. Der begeht in diesem Jahr als „Telekom Männerchor Berlin“ sein 35-jähriges Jubiläum. Jürgen, der Ehrenmitglied des Chores ist, spielte viele Jahre auch das Posthorn – ein Ritual, mit dem der Chor sein Programm eröffnete. 2006 ging Jürgen in Rente. Heidi folgte ihm 2008. Sie suchte eine neue Aufgabe und betreute die Kinder Max und Katharina in einer Berliner Familie. Der Kontakt zu ihnen ist heute noch eng, genau wie zu Berliner Freunden, Bekannten und ehemaligen Nachbarn. Zu Hause sind sie nun aber in Rostock und genießen die neuen Kontakte zu Menschen in der Stadt und in Groß Klein, beim Sport und in der Wandergruppe. Begeistert sind beide von den kulturellen Angeboten der Volkssolidarität. „Die Konzerte, die Reisen, das Herbstfest der Volksmusik, der Neujahrsball... lange haben wir nicht mehr so viel getanzt“, schwärmen sie und wünschen sich, dass es nach der Coronazeit wieder Begegnungen im Börgerhus und in der Ortsgruppe gibt. Heidi, Lesepatin im Hort „kleines ganz groß“ wünscht sich vor allem, endlich wieder für die Kinder dazusein, mit ihnen lesen und reden zu dürfen.